Wie alt ist Rolandswerth ?

Kurzbericht zur Entstehung von Rolandswerth

Gelegen an der römischen Heerstraße zwischen den Garnisionen Bonn und Remagen, unterhalb eines Felsen und an der damals noch unbebauten Rheininsel, zwischen Mehlem und dem heutigen Rolandseck. Das durch das heutige Rolandswerth eine Straße führte, ist auf einem alten römischen Meilenstein an der B 9 zwischen Calmuth und der Unkelsteinbrücke hinterlegt. Demnach existierte bereits 162 n. Chr, eine Römerstraße zwischen Mehlem und Remagen. In den folgenden Jahrhunderten gibt es immer wieder Nachweise dieser Straße.

Den Namen Rolandswerth gab es zu dieser Zeit jedoch noch nicht. Man geht davon aus, dass sich römische Veteranen am Ufer des Rheins sowie den Seitentälern, in Einzelgehöften ansiedelten. Es ist nicht nachzuweisen, jedoch sehr wahrscheinlich, dass Rolandswerth zur damaligen Zeit ebenfalls ein Einzelgehöft  war, das zur Grenzsicherung diente.

Merowinger und Karolinger Könige und Adelige benutzten die Heerstraße durch Rolandswerth bei ihren Reisen zu den Knotenpunkten ihres Reiches. Mit dem Bau der Burg Rolandseck (Rolandsbogen) als Grenzbefestigung Kölns, siedelten sich im Schutze der Burg Handwerker, Bauern, Fischer, Winzer und Schiffer an. Der Bau des Klosters Nonnenwerth auf der Rheininsel trug ebenfalls zur Sicherung der Existenz der damaligen Bevölkerung bei.

Alte Flurnamen der Gemeinde Mehlem für die südliche Rheinaue bis Insel Nonnenwerth stammten aus dem Urbegriff der Weide / Weiden. Abgewandelte Namen sind mit "Im Weitgen", "Witgen", "Wirdt", "Wydtgen", "Wittgen", "aufm Werth", im Laufe der Jahrhunderte belegt. Umgangssprachlich heißt Rolandswerth heute noch "Wickchen" (z.B. gibt es im Ort die Wickchenstraße). Bisher kann keiner genau sagen wie und wodurch das Wort Rolandswerth entstanden ist.

Der Nachweis für ein erstes Gebäude im Bereich der Ortschaft Rolandswerth ist eine Kapelle und eine Art Hospital. Der Kölner Bürger Walbert lies die Gebäude 1148 gegenüber dem heutigen Kloster Nonnenwerth erbauen. Aber die beiden Gebäude begründen noch keine Existenz für ein Dorf, sonst wäre Rolandswerth nun schon   Jahre alt.

Erst in einem Einnahmeregister von Erzbischof Dietrich vom Moers vom 01.03.1422 ist vermerkt, dass die Dörfer Melenheim (Mehlem) , Landerstorp (Lannesdorf) und Wirdt (Rolandswerth) 150 Gulden für die Hussitenfeldzüge des Kaisers gegen die Ketzer in Böhmen aufbringen mussten. Dies ist nach meinen Recherchen der älteste beurkundete Hinweis auf Rolandswerth.

Durchziehende Kriegsvölker nahmen ihren Anteil vom bescheidenen Wohlstand der Bevölkerung. Pest und andere Seuchen im Mittelalter entvölkerten auch Rolandswerth.

Viele kleine Eintragungen in den Gemeinde- und Kirchenbüchern geben immer wieder Hinweise auf den Ort. So auch dieser Eintrag im Mehlemer Kirchenbuch: Am 15.03.1631 wurde Christina, Ehefrau von Peter im "Veitgen" (Rolandswerth) als Hexe verbrannt.

Mit dem Bau der Eisenbahn 1856 kamen Kaufleute und Fabrikanten aus Köln und Umgebung nach Rolandswerth um hier ihren Zweitwohnsitz zu haben. Gleichzeitig kamen zu den traditionellen Berufen noch Gärtner, Kutscher, Köche und Diener hinzu. Mit der Eisenbahn wie auch der aufkommenden Dampfschifffahrt trafen auch Touristen in Rolandswerth ein. So lebten in Rolandswerth gegen 1864 über 400 Personen, es gab eine Dorfschule und sogar eine Kaltwasserheilanstalt. (Das Gebäude der Heilanstalt ist heute eher bekannt als "Haus Humboldstein" an der Bundesstraße 9) Neu errichtete Fabriken in der Umgebung bescherten der Bevölkerung weitere Arbeitsplätze.

Der 1. und 2. Weltkrieg brachten menschliches und finanzielles Elend über die damals selbständige Gemeinde Rolandswerth und dessen Bevölkerung.

Durch die Wahl Bonns als Regierungssitz kehrte Anfang der 50er Jahre wieder ein bescheidener Wohlstand zurück nach Rolandswerth.

Ursprünglich gehörte Rolandswerth also zur heutigen Gemarkung Mehlem. Um es genau zu nehmen wäre Rolandswerth seit dem 18.12.1968 auch wieder ein Teil von Bad Godesberg geworden, so zumindest hat der Gemeinderat Rolandswerth es so beschlossen. Allerdings wurde der Beschluss nicht mehr umgesetzt, da Bad Godesberg selbst im August 1969 in die damalige Bundeshauptstadt Bonn eingegliedert wurde. Nach der Gebietsreform des Kreises Ahrweiler im gleichen Jahr hat Rolandswerth auch keinen eigenständigen Gemeinderat mehr, sondern ist mit ca. 600 Einwohnern kleinster Stadtteil der Stadt Remagen geworden.

Die Abhandlung erhebt keinen Anspruch auf Vollkommenheit, es soll nur eine grobe Zusammenfassung der Zeitgeschichte darstellen.

Weitere Informationen, Anregungen, Verbesserungen können über das Gästebuch von www.rolandswerth.de abgegeben oder direkt dem Verfasser zugesandt werden (siehe Impressum) .

Rudolf Schönenborn
(Ortsvorsteher Rolandswerth 1999-2010)

Der Rolandsbogen

 Der Rolandsbogen, hoch über Rolandswerth gelegen ist der Überrest einer alten Burg. Die Burg lies Erzbischof Friedrich I. von Köln 1122 erbauen. 1475  von den Kaiserlichen im Krieg gegen Karl den Kühnen von Burgund erstürmt und zerstört, nur der besagte Bogen blieb erhalten. 

Sage und Geschichte ranken sich jedoch um Ritter Rolands Burg. Darin will er mit seiner Liebe leben, mit Hildegund, der Tochter des Drachenfelsritters Heribert. Doch Hildegund erhält Kunde, dass ihr Roland auf einem Feldzug getötet worden wäre. Die Braut geht aus Trauer ins Kloster Nonnenwerth. Aber Roland lebt. Nun ist es ihm für immer versagt, seine Hildegund in die Arme zu schließen. Ihm bleibt nur, die Geliebte aus einem Fenster der Burg Rolandseck von Ferne zu sehen.

Der Germanist Karl Simrock sieht in der Sage die schönste des Rheinlands und vergleicht sie mit „Romeo und Julia".

Am 28. Dezember 1839, es ist in stürmischer Nacht, stürzt der Rolandsbogen ein. Am 12. Februar 1840 erscheint Ferdinand Freiligraths Gedicht „Ich stehe bittend da; ich schreit am Rheine auf und nieder, ein Knappe Rolands, eil ich durch das Land, den offenen Helm in ausgestreckter Hand, ruf ich euch zu: gebt ihm den Bogen wieder. Des Ritters Gut, von dannen trug's der Wind!" Der Erfolg übertrifft des Dichters Erwartungen. Von allen Seiten kommen Spenden. Der Rolandsbogen wird aufgebaut.

Am Fußweg von Rolandswerth zum Rolandsbogen befindet sich in Erinnerung an den Dichter, das Freiligrath-Denkmal. 

 

Das Tempelchen

Hierbei handelte es sich um einen Aussichtspavillion unterhalb des Rolandsbogens. Dieser Pavillion, liebevoll Tempelchen genannt,  stand auf einer vorspringenden Anhöhe mit wunderschöner Aussicht auf das Rheintal. 

Im Jahre 1931 wurde das Tempelchen auf Treiben der Reichsbahn abgebaut, da es als Sicherheitsrisiko wegen der darunter liegenden neuen Bahntrasse galt.

Nach über 70 Jahren werden die Planungen für einen Wiederaufbau des Tempelchen konkreter.  

 

Die Gaststätte

Vom Rolandsbogen mit seiner gehobenen Gastronomie aus genießt man eine Panoramaaussicht auf das Rheintal, das Siebengebirge und das Kloster Nonnenwerth mit der Liszt-Platane.

Die erste Gastwirtschaft auf dem Rolandsbogen wurde 1893 eröffnet. Sophie, eine der vier Töchter des damaligen Wirts, soll so schön gewesen sein, dass allein wegen ihr viele Verehrer zum Rolandsbogen wanderten.

Unter Ihnen auch der Heimatdichter Jörg Ritzel. Er widmete Sophie ein Gedicht, das später vertont wurde. „Ich kam von fern gezogen zum Rhein, zum Rhein, beim Wirt zum Rolandsbogen, da kehrt ich ein. Ich trank mit seiner Base auf du und du“, heißt es im Original.

Als sich die Verehrer um Sophie scharten, muss auch Konrad Adenauer zu Gast gewesen sein. Seine Herzensangelegenheit war aber Emma Weyer. Sie eröffnete 1902 dort oben ihrem Bruder: „Ich habe mich soeben mit Adenauer verlobt.“ 

Auch der ehemalige US-Präsident Bill Clinton war neben anderen Persönlichkeiten schon Gast auf dem Rolandsbogen. 

Nur das schnelle Eingreifen der umliegenden Feuerwehren konnte im Januar 2002 verhindern, dass die Gaststätte durch ein Feuer ausbrannte.